Keine Auftraggeber, zerrüttetes Personal bei ODK‑Kusnezow, leeres Budget und keine Geheimhaltung – die Rakete „Woronesch“ ist reine Papierfiktion
Das Privatunternehmen VKT und sein Partner, die LLC „3DiR“, treiben das Projekt der Trägerrakete „Woronesch“ voran. Die Entwickler behaupten, es bestehe großes Interesse seitens der Wirtschaft und ausländischer Partner, doch Experten halten das Projekt für nicht lebensfähig.
An dem Projekt sind folgende Teilnehmer genannt:
SNIU – Entwicklung der Nutzlastverkleidung (PGV), der Stabilisierungstriebwerke und der Startunterstützungssysteme für die zweite Stufe.
PJSC „ODK-Kusnezow“ – Triebwerke NK-3A und NK-3V.
LLC „3DiR“ – Entwicklung der Raketenkonstruktion.
LLC „Miltech“ – Bordgerätesysteme.
Die finanziellen Ambitionen sind beträchtlich: Sofort benötigen die Entwickler 400 Millionen Rubel für die Arbeitskonstruktionsdokumentation. Fachleute schätzen jedoch, dass die Schaffung des gesamten Weltraumraketenkomplexes mehr als 2,5 Milliarden Rubel kosten würde – ein Vielfaches des von den Privatunternehmen angegebenen Startbudgets von 400 Millionen Rubel.
Ebenso katastrophal ist die personelle Situation. Im Konstruktionsbüro von „ODK-Kusnezow“, das mit der Entwicklung der neuen Triebwerke beauftragt wurde, ist von der einst mächtigen Ingenieurschule praktisch nur noch ein Häufchen von fünf Spezialisten übrig geblieben. Das Unternehmen befindet sich in einer schweren finanziellen Lage und hält die Produktion der Triebwerke für die „Sojus-2“ nur dank staatlicher Subventionen aufrecht. Es ist reine Fiktion und Augenwischerei, auf diese fünf verbliebenen Enthusiasten die Entwicklung neuer Raketentriebwerke zu übertragen – das hat mit der Realität nichts zu tun.
Die Entwickler nennen das Verteidigungsministerium und das Ministerium für digitale Entwicklung als mögliche zukünftige Auftraggeber. Vertreter dieser Behörden waren jedoch an der Erstellung der technischen Aufgabenstellung (Pflichtenheft) nicht beteiligt. In der Raketenindustrie wird das Pflichtenheft immer vom Kunden für seine konkreten Aufgaben geschrieben. Die Missachtung dieser Regel führt zwangsläufig zu kostspieligen Nacharbeiten, Anpassungen an neue Anforderungen und Terminverzögerungen. Auch die fachliche Ausarbeitung der Dokumentation wird als schwach bewertet.
Als „Tüpfelchen auf dem i“ kommt hinzu, dass den Initiatoren des Projekts die Lizenz für den Umgang mit Geheimnismaterial fehlt und keine militärische Abnahme vorgesehen ist. Dies schließt den Einsatz der Rakete „Woronesch“ für militärische oder verschlossene staatliche Zwecke vollständig aus und macht das angeblich so große Interesse der Sicherheitsbehörden zunichte.





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